Eine strikte bauliche Trennung ist kein universelles Allheilmittel und kann in bestimmten Situationen, wie eben bei Kreisverkehren, das Unfallrisiko sogar massiv erhöhen.
Das Problem nennt sich „Sicherheits-Paradoxon der Separation“ und lässt sich am Kreisverkehr exakt erklären:
Warum Trennung am Kreisverkehr oft gefährlicher ist
Wenn Radwege außen um den Kreisverkehr herumgeführt werden, entstehen durch die räumliche Trennung gefährliche tote Winkel:
- Der tote Winkel beim Ausfahren: Autofahrer konzentrieren sich beim Verlassen des Kreisels auf die Straße vor sich und beschleunigen. Der parallel, aber getrennt geführte Radfahrer rechts hinter ihnen gerät komplett aus dem Blickfeld.
- Trügerische Vorfahrt: Obwohl Radfahrende auf umlaufenden Radwegen oft Vorfahrt haben, werden sie von ein- oder ausfahrenden Autos schlicht übersehen.
- Scheinsicherheit: Die bauliche Trennung wiegt Radfahrer in Sicherheit. Sie fahren zügiger und weniger bremsbereit in den Konfliktbereich ein.
Die sicherere Alternative: Mischverkehr („Safety in Numbers“)
Unfallstatistiken der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigen überraschend: Kleine Kreisverkehre ohne Radweg, bei denen Radfahrer mitten auf der Autofahrbahn fahren, sind oft erheblich sicherer.
- Volle Sichtbarkeit: Auf der Fahrbahn fährt der Radfahrer im direkten Sichtfeld des Autofahrers.
- Kein Überholen möglich: Wenn Radfahrende in der Mitte der Spur fahren, können Autos sie im engen Kreisel nicht riskant überholen oder beim Ausfahren schneiden.
- Gleiches Tempo: Durch das niedrigere Tempo aller Beteiligten im Kreisel harmonisiert sich der Verkehrsfluss.
Wann funktioniert Trennung im Kreisel trotzdem?
Eine Trennung funktioniert nur dann sicher, wenn sie konsequent zu Ende gedacht wird – wie beim geschützten „niederländischen Kreisverkehr“:
- Großer Abstand: Der Radweg wird mit mindestens 4 bis 5 Metern Abstand (eine Pkw-Länge) um den Kreisel geführt. Dadurch steht das Auto beim Ausfahren rechtwinklig zum Radweg und der Fahrer sieht den Radler direkt durch die Frontscheibe, nicht über die Schulter.
- Klare Aufpflasterungen: Sichtbare Schwellen zwingen Autos vor dem Radweg zum Abbremsen.